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Schwarz-Weiß-Foto: eine Frau mit Rucksack geht eine Landstraße an einer Mauer entlang, im Hintergrund ein italienisches Dorf

Anja Wolfram2 Min. LesezeitAchtsamkeit, Resilienz

Hinter mir liegt eine wundervolle und kraftspendende Zeit in Italien, mein Wohlfühlland. Dieses Land im Frühjahr zu besuchen, ist ein Ritual, das ich seit Jahren lebe und liebe. Jedes noch so kleine Detail, wie die nach Erwachen, nach Knospen, nach Blüten, nach jungen Trieben, nach frischem Gras duftende Luft; Weinberge, die, puristisch und klar aufbereitet, sich nach Sonnenstrahlen sehnen, die ihnen, die so dringende benötigte Kraft zum Austreiben schenken; Kirsch- und Apfelbäume, mit ihren zartgrünen Blättern und den erfrischend und dennoch sanft süß riechenden Blüten, sauge ich förmlich auf um diesen wunderschönen Frühling mit nach Hause holen zu können.

Fernab von Alltag,

Es könnte so einfach sein.

Mein Kopf fühlt sich wie in einer Parallelwelt. Nachrichten aus der Welt blende ich aus, tanke mich auf.

Umso intensiver und prägender war das Kennenlernen von zwei warmherzigen, klugen, liebevollen, in sich ruhenden und unsagbar kraftvollen Ukrainerinnen nur einen Tag nach meiner Rückkehr nach Deutschland: Maria und ihre 31jährige Tochter Olja.

An diesem Tag feierten tausende Ukrainer:innen fernab ihrer Heimat Ostern. Ein Körbchen gefüllt mit selbst bemalten Eiern, Brot, Butter, Wurst und frisch gebackenem Kuchen wurde zur Kirche getragen. Maria hielt liebevoll ihre Hand darüber. Ich frage mich, was ihr durch den Kopf geht.

Was fühlt sie während der Videokonferenz mit ihren Liebsten. Wir geben uns alle fröhlich, obwohl es uns emotional zerreißt. Tränen und Grüße der alten Oma mit dem traditionellem Kopftuch. Segenswünsche, die oft so lapidar ausgesprochen werden, kommen so sehr von Herzen, dass ich sie in die Welt schreiben möchte. Gemeinsam mit all der Wut, die ich bei Olhj spüre. Die Wut einer jungen Frau, die ihre Heimat, ihre Familie und ihren Partner verlassen musste und hier hilflos hoffen muss. Hoffen auf ein Ende. Und das tun wir alle.

Wir lachen, wir erzählen , wir berichten von Ritualen, die jeder von uns hat und pflegt. Was manchmal lästig erscheint, kann in bestimmten Momenten elementaren Halt geben. Es fließen leise Tränen aus Marias wunderschönen großen Augen während sie auf der Rücksitzbank des Autos sitzt. Ein Blick in die Ferne und Olhjs liebevolle Hand ist auf ihrer. Ich frage mich wieder, woran sie denkt und was sie erinnert. Ich wünsche mir für sie, dass sie jede einzelne Szene des Osterrituals im nächsten Jahr in ihrer Heimat feiern kann. Das Eischlagen, die Reihenfolge des Essens und Fülle der Köstlichkeiten.

Egal, welcher Brauch, welches Ritual für dich gut sind; feiere es, als wäre es das letzte mal! Geniesse es achtsam mit deinen Lieblingsmenschen und gönne dir deine KRAFTrituale so oft du sie brauchst.

Geschrieben von Anja Wolfram, Persönlichkeits- und Mental Health Coach in Pirna bei Dresden. Mehr über ihr Mental Coaching in Dresden.

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